Im Moment bin ich mir nicht ganz klar darüber, was genau ich daraus machen soll: Wenn ich tatsächlich mit der Galerie des Künstlers in Kontakt trete und eine Veröffentlichung über die Ausstellung anstrebe, dann werde ich eine recht wissenschaftliche, aber doch propagandistisch angehauchte Schreibweise wählen müssen. Sollte ich dagegen meinen ursprünglichen Plan verfolgen und versuchen, über einen Print-On-Demand Anbieter zu veröffentlichen, dann würde eine eher populärwissenschaftliche Ausrichtung empfehlenswert sein. Ich bin unsicher, was ich will. Daher werde ich das Projekt vorerst ruhen lassen und mich auf andere Arbeiten konzentrieren.
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Auf Eis gelegt
Seit etwas mehr als zwei Monaten habe ich nunmehr wenig bis keine Zeit gefunden, an diesem Projekt weiterzuarbeiten. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis ich die Arbeit an dem Papier wieder werde aufnehmen können.
Donnerstag, 3. September 2009
Die Sonnenblumen...
... befinden sich im Umbruch. Da ich kürzlich einen Teil des Textes zu van Goghs "Vierzehn Sonnenblumen" für eine Literaturzeitschrift umgearbeitet habe (Veröffentlichung folgt), mache ich nun gleich da weiter. Ich habe festgestellt, dass ich mich nicht gut von vorne nach hinten durch den Inhalt dieser Arbeit bemühen kann, das funktioniert einfach nicht.
Die einzelnen Kapitel bauen nicht unbedingt aufeinander auf, ein Teil wird ganz rausfliegen (Salvador Dalí und Jasper Jones und ein Teil von Marcel Duchamp), da macht es wenig Sinn, sich Seite für Seite durchzuackern. Ich gehe zwar kapitelweise vor in der Umarbeitung, aber ich bearbeite nicht unbedingt eines nach dem anderen. Das Vorwort habe ich ganz hintenan gestellt, weil ich da einfach nicht weiterkomme. Zwei schlaflose Nächte haben gereicht. Das werde ich als letztes schreiben, direkt vor den Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis.
Noch bin ich etwas am Haddern mit mir selbst, inwieweit ich den van Gogh kürzen sollte. Oder verlängern? Eigentlich gehört eine kurze Vita des Künstlers dazu. Und ohne Ausführungen zu seinem geliebten "hohen gelben Ton" wird es schwierig, die Farben in der Fotografie Morimuras zu verstehen. Aber das ist dann insgesamt schon wieder genug für ein eigenes kleines Büchlein... So schwierig.
Na, erstmal umschreiben. Eins nach dem anderen. Und die Sonnenblumen sind zuerst dran, weil ich da gerade mittendrin stecke.
Die einzelnen Kapitel bauen nicht unbedingt aufeinander auf, ein Teil wird ganz rausfliegen (Salvador Dalí und Jasper Jones und ein Teil von Marcel Duchamp), da macht es wenig Sinn, sich Seite für Seite durchzuackern. Ich gehe zwar kapitelweise vor in der Umarbeitung, aber ich bearbeite nicht unbedingt eines nach dem anderen. Das Vorwort habe ich ganz hintenan gestellt, weil ich da einfach nicht weiterkomme. Zwei schlaflose Nächte haben gereicht. Das werde ich als letztes schreiben, direkt vor den Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis.
Noch bin ich etwas am Haddern mit mir selbst, inwieweit ich den van Gogh kürzen sollte. Oder verlängern? Eigentlich gehört eine kurze Vita des Künstlers dazu. Und ohne Ausführungen zu seinem geliebten "hohen gelben Ton" wird es schwierig, die Farben in der Fotografie Morimuras zu verstehen. Aber das ist dann insgesamt schon wieder genug für ein eigenes kleines Büchlein... So schwierig.
Na, erstmal umschreiben. Eins nach dem anderen. Und die Sonnenblumen sind zuerst dran, weil ich da gerade mittendrin stecke.
Montag, 3. August 2009
Lesenderweise verdummen
So, das Problem mit der Einleitung ist geklärt. Ich wußte nicht, wie ich sowas aufbauen soll, weil ich es effektiv nie gelesen habe. Mit Entsetzen mußte ich nun, nach lesen der Einleitungen von fast allen meinen (besseren) kunsthistorischen Büchern feststellen, dass besagte Kapitel Papierschinderei sind. So langweilig und nichtssagend, dass ich es mir getrost auch in der Zukunft sparen kann, da reinzusehen. Mehr als ein allgemeines Gefasel zu Kunst und Können (wahlweise der behandelten Epoche, Gender, Kriegsgeschichte, etc. pp.) war da nicht zu lesen. Lobhuddelei auf die eine oder andere Galerie selbstverständlich auch, sowie Vorstellungen des Museenbestandes. Ich werde also die Einleitung dem Zwecke anpassen, meinen Dank hineinlegen und eine kurze Vorstellung des Künstlers und seines Gesamtwerks. Denn über die Epoche (Gegenwart) mag ich nicht mehr sagen, als die Japan Times jeden Tag online erwähnt, unvollständige und schlechte Abhandlungen über Gender-Forschung und Kriegsgeschichte gibt es meiner Ansicht nach genug, und dass die Galerie IN Frage gute Arbeit leistet, steht AUSSER Frage. Es hat sich nicht gelohnt, das Wochenende lesenderweise zu verbringen - für die nächsten Tage wünsche ich mir erbaulichere Lektüre.
Dienstag, 28. Juli 2009
Neue Rüschen am Kleid
Das erste Kapitel wird komplett um- bzw. neu geschrieben, denn so kann das nicht bleiben. Eine Einleitung für ein fachwissenschaftliches Buch muß anders klingen, und das werde ich als erstes in Angriff nehmen. Und ich hoffe, dass ich eine Ausdrucksweise finde, die weit weniger akademisch klingt. Ich mag meinen Text nicht mehr, da fehlt die Wärme drin. Nicht Wärme wie in Roman, sondern eher Wärme wie unkomplizierter Ausdruck. Schließlich soll es Spaß machen, den Kram zu lesen, ist ja keine Bedienungsanleitung.
Oder doch?
Hm...
Bedienungsanleitung für Kunst... Das ist mal ein Stichwort. Eine Bedienungsanleitung beschreibt, wie etwas in Betrieb genommen oder bedient wird. Soweit die Definition. Bedienungsanleitungen lesen sich dank vieler Übersetzungen in zweifelhaften Zwischenstufen meistens (ganz nach Klischee) ganz grausam...
Es IST eine Bedienungsanleitung. Denn ich schreibe, wie man die besprochenen künstlerischen Arbeiten (zu Deutsch: Bilder) ansehen und verstehen soll. Aber grausam lesen ist nicht gut. Tut es noch, nicht? Also, ich finde schon. Dann habe ich ja meinen Ansatzpunkt: Aus der Bedienungsanleitung soll... was? ... hm... was anderes werden. Ein Ratgeber? Nein, das ist was für Besserwisser und orientierungslose, überforderte Eltern. Sowas mag ich nicht schreiben. Ein Roman? Gute Idee. Im nächsten Schritt. Erstmal ein kunsthistorisches Fachbuch. Eines, das man gerne liest, und das obendrein noch hilfreich ist und nicht nur mit tollem Farbdruck protzt. Aber was macht so ein Fachbuch denn liebenswert? Ich meine, den Text? Den Aufbau möchte ich gerne, zumindest grob, beibehalten. Ein Fachbuch im Lexika-Stil kommt also nicht in Frage. Reine Bildbeschreibungen und Vergleiche auch nicht. Ohwei, das wird schwer, ich ahne es...
Ein Exkurs an's heimatliche Bücherregal wird wohl den Rest des Tages füllen. Ich mach mich schlau, wie die von mir bevorzugte Fachliteratur aufgebaut und geschrieben ist. Danach ist die Einleitung dran. Also wohl nicht mehr heute.
Oder doch?
Hm...
Bedienungsanleitung für Kunst... Das ist mal ein Stichwort. Eine Bedienungsanleitung beschreibt, wie etwas in Betrieb genommen oder bedient wird. Soweit die Definition. Bedienungsanleitungen lesen sich dank vieler Übersetzungen in zweifelhaften Zwischenstufen meistens (ganz nach Klischee) ganz grausam...
Es IST eine Bedienungsanleitung. Denn ich schreibe, wie man die besprochenen künstlerischen Arbeiten (zu Deutsch: Bilder) ansehen und verstehen soll. Aber grausam lesen ist nicht gut. Tut es noch, nicht? Also, ich finde schon. Dann habe ich ja meinen Ansatzpunkt: Aus der Bedienungsanleitung soll... was? ... hm... was anderes werden. Ein Ratgeber? Nein, das ist was für Besserwisser und orientierungslose, überforderte Eltern. Sowas mag ich nicht schreiben. Ein Roman? Gute Idee. Im nächsten Schritt. Erstmal ein kunsthistorisches Fachbuch. Eines, das man gerne liest, und das obendrein noch hilfreich ist und nicht nur mit tollem Farbdruck protzt. Aber was macht so ein Fachbuch denn liebenswert? Ich meine, den Text? Den Aufbau möchte ich gerne, zumindest grob, beibehalten. Ein Fachbuch im Lexika-Stil kommt also nicht in Frage. Reine Bildbeschreibungen und Vergleiche auch nicht. Ohwei, das wird schwer, ich ahne es...
Ein Exkurs an's heimatliche Bücherregal wird wohl den Rest des Tages füllen. Ich mach mich schlau, wie die von mir bevorzugte Fachliteratur aufgebaut und geschrieben ist. Danach ist die Einleitung dran. Also wohl nicht mehr heute.
Freitag, 24. Juli 2009
Gegenstand dieser Arbeit und Stand der Forschung
Es geht in dieser Arbeit um die fotografischen Selbstdarstellungen Yasumasa Morimuras in der Werkserie Daughter of Art History (美術史シリーズ, Bijutsushi Shiriizu). Hierbei handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Reihe homogener fotografischer Reproduktionen – vielmehr bearbeitete Morimura seit der Mitte der 1980er Jahre bis heute bekannte Werke der westlichen Kunstgeschichte. Diese sind nach Künstlern, Epochen oder Themen getrennt und erscheinen z. T. als eigene kleine Serien. So wurde bspw. 1989 in der Moori Galerie in Osaka eine Serie von Arbeiten mit den Porträts Rembrandts als Vorbild unter dem Titel Rembrandts Raum (レンブラントの部屋, Renburanto no Heya ) ausgestellt. Andere fotografische Reihen sind Spiel mit den Gottheiten (神のたわむれ, Kami no Tawamure ), mehrere Bearbeitungen von Lukas Cranachs Kreuzigung , und Vermeer (フェルメール, Ferumêru), eine Serie, die auf Anregung einer Sendung des öffentlichen japanischen Fernsehens entstand. Die Fotografien wurden jeweils in Ausstellungen unterschiedlichen Themas zusammengestellt und der Ausstellung entsprechend betitelt. Die Arbeiten An Inner Dialogue with Frida Kahlo wurden bspw. 2002 in Madrid in der Galerie Juana de Aizpuru ausgestellt, erscheinen aber im Katalog Daughter of Art History zusammen mit anderen Werken nach dem Vorbild der europäischen Kunstgeschichte (wie z. B. zwei der Fotografien aus der Reihe Spiel mit den Gottheiten u. a.). Der Titel geht auf eine Ausstellung der Luhring Augustin Galerie in New York im Jahr 1999 zurück. Neben diesen hat sich Morimura auch mit Werken der japanischen Kunstgeschichte beschäftigt . Die sollen hier nicht berücksichtigt werden. Die Werke, die in der Literatur häufig (in Ermangelung eines besseren Begriffs) als images bezeichnet werden, sind auf die gleiche Weise hergestellt: Der Japaner setzte dabei sich selbst in eine aufwendige, dem originalen Meisterwerk sorgfältig nachempfundene Szenerie, geschminkt und kostümiert wie die Protagonisten des Werks, und ließ sich so als „Selbstporträt“ (セルフポートレイト, Serufu Pôtoreito) fotografieren. Wahlweise arbeitete er mit Retuschen am Computer und setzt sein Gesicht (und oftmals auch die Hände, seltener den ganzen Körper) mehr oder weniger nahtlos in das Kunstwerk ein. Neben Stillleben und Porträts bedient er sich dabei primär religiöser und historischer Werke. Die Titel der zitierten Werke nennt Morimura nicht, er überlässt es dem Betrachter, das originale Werk zu erraten. Die Fotografien haben Titel, die zum Teil mit dem des adaptierten Werks in Verbindung stehen, zum Teil aber auch auf die Arbeitsweise Morimuras anspielen oder schlicht die Bildmotive benennen. Der Titel der Serie Daughter of Art History legt nahe, dass es sich überwiegend um weibliche Porträts handelt, die Morimura für die Serie inszenierte. Dies ist nicht der Fall. Vielmehr weist der Künstler mit dem Titel der Serie darauf hin, dass Kunst oft weiblich konnotiert ist, zumindest im Westen. Auch das Verständnis eines „weiblichen“ Orients gegenüber dem „männlichen“ Okzident mag hier Ausdruck finden.
Die Werke Morimuras finden oft Erwähnung in Kunstmagazinen, zusammen mit Mariko Mori (森万里子) und Nobuyoshi Araki (荒木経惟) wird er im Zusammenhang mit zeitgenössischer japanischer Kunst häufig genannt. Dabei fehlen gerade bei europäischen Publikationen Bildbeschreibungen und –analysen, in vielen Fällen beschränken sich die Artikel auf die Erwähnung seiner Arbeiten, deren Vorbilder sowie von Ausstellungsterminen. Die Texte sind plakativ und gehen selten über die Nennung einer oder mehrerer dieser drei Künstler als „Symbole eines postmodernen Japans“ hinaus. Monographien sind nicht sehr zahlreich, und viele asiatische Publikationen sind für den westlichen Leser schwer erhältlich und sprachlich nicht zugänglich, da keine Übersetzungen vorliegen. Was bezüglich der Literatur zu der Serie Daughter of Art History festgestellt wurde, gilt ebenso für Morimuras Serie Actress, bei der er ähnlich wie bei den Fotografien von Daughter of Art History vorgeht, als Grundlage aber von ihm inszenierte, dem Betrachter scheinbar bekannte Film-Stills anstelle der westlichen Kunstwerke verwendet. Das Ergebnis erscheint bei beiden Serien zuerst einmal respektlos und höhnisch gegenüber dem Original und der damit verbundenen Kultur, aber tatsächlich ist diese freche Maskerade des japanischen Künstlers sehr viel komplexer. Morimura tritt auf wie der Erzähler im Theater bei einem Still, in einem direkten Kontakt mit dem Betrachter. So bringt er einige kritische Diskurse ins Spiel: die postmoderne kulturelle Hybridität, Fragen zu Identität und Differenzierung, und einen ganzen Katalog damit verbundener, oft wertender Dualismen wie die Zuordnung eines Geschlechts (Mann/Frau), der geographischen Verortung (Ost/West) , der Frage nach dem künstlerischen Medium (Malerei/Fotografie), der Originalität bzw. Austauschbarkeit von Kunstwerken (Original/Fälschung oder Kopie). Dies alles wird kaum erwähnt in den meist nicht kunstgeschichtlich orientierten Aufsätzen zu Morimura und seinen Werken. Die wenigen etwas tiefer gehenden Arbeiten sollen hier nicht ausführlich besprochen werden, da Fritsch eine gute Übersicht bietet.
In der Einleitung dieser Arbeit wird Morimuras Serie Daughter of Art History kurz und in einem größeren Zusammenhang der zeitgenössischen japanischen Kultur, vor dem Hintergrund des gender-crossing in der japanischen Kunst sowie der Identitätsfrage von Kunst selbst auf einem internationalen, globalisierten und dennoch stark westlich geprägten Markt eingeordnet. Der vierteilige Hauptpart beschreibt und analysiert einige wenige Arbeiten, die Bestandteil der Serie Daughter of Art History sind. Dabei wird der Horizont der Betrachtung etwas geweitet und Zitate von anderen Kunstwerken durch andere Künstler sollen angesprochen werden. In diesem Sinne wird versucht, dem Phänomen „Parodien“ in der Kunstgeschichte Rechnung zu tragen, auch wenn dies (wie an gegebener Stelle nachgewiesen werden wird) keineswegs homogen oder simpel parodierend ist. Es geht in dieser Arbeit hauptsächlich darum, mit Hilfe von ausführlichen Bildbeschreibungen, Analysen und Vergleichen darzulegen, wie tiefgreifend die von Morimura aufgeworfenen Diskussionen um die fotografischen Selbstporträts sein können und dass diese Diskussionen tatsächlich in den Werken bereits angelegt sind.
Zuerst sollen Morimuras drei Versionen der Mona Lisa da Vincis (Mona Lisa in Its Origin, Mona Lisa in Its Pregnancy und Mona Lisa in the Third Place) in der langen Reihe der Mona Lisa-Parodien des 20. Jahrhunderts verortet werden. Auch Gedanken zu anderen Arbeiten da Vincis sind in den Fotografien erkennbar. Im Anschluss daran soll es um van Goghs Sonnenblumen gehen, wobei sich Morimura nicht nur mit einem konkreten Sonnenblumenbild van Goghs beschäftigt, sondern die Vielzahl zitiert. Mit van Gogh ist ein Bogen zum Japonismus in der westeuropäischen Kunst geschlagen, nachvollziehbar am Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife . Der Einfluss japanischer Holzschnitte ist nicht zu übersehen, und mit der Farbgebung sowie der anderen Auffassung von Raum und Licht in der japanischen Druckgraphik kamen wichtige Anregungen in die europäische Kunst – die nun den Weg zurück nach Japan fanden, in den Fotografien Morimuras. Japans künstlerische Produktion hat sich in der Zwischenzeit stark gewandelt, und man muss sich angesichts der frühen Unterscheidung von nihon-ga (日本画) und yô-ga (洋画) fragen, inwiefern diese für Europäer so eindeutig fremden Einflüsse des ukiyo-e (浮世絵) im Werk van Goghs und anderer europäischer Künstler in Japan als „japanisch“ angesehen werden, oder ob sie im Rahmen der insgesamt europäischen Werke als ein Aspekt der (europäischen) Malerei angesehen wurden und werden. Das dritte Kapitel des Hauptteils beschäftigt sich mit Duchamps Alter Ego Rrose Sélavy und dem Porträt, das Man Ray um 1920 von Duchamp in der Verkleidung als junge Frau machte. Diese Darstellung ist ein sehr frühes Beispiel von gender-crossing bzw. cross-dressing in der Fotografie und wurde von Morimura in Doublenage aufgegriffen. Ein weiteres Kapitel wird der Reihe An Inner Dialogue with Frida Kahlo gewidmet sein, einer größeren Gruppe von Arbeiten, die sich mit den Selbstporträts Frida Kahlos beschäftigen. Diese noch relativ junge Kunst ist von Morimura bereitwillig in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen worden, und die schiere Menge der Fotografien nach Werken der Kahlo ist verblüffend, vergleicht man sie mit der Anzahl von Arbeiten, die sich mit jeweils einem anderen Künstler beschäftigen.
Im Anschluss an die eigentliche Untersuchung finden sich ein Textanhang mit einer Kurzbiographie Morimuras, erläuternden Informationen zu zuvor angeschnittenen Themen, und ein Abbildungsteil. Andere Werke und Serien Morimuras wie die bereits erwähnte mit dem Titel Actress sollen nicht Gegenstand dieser Arbeit sein, ebenso wenig braucht hier auf Morimuras vielfältige schriftliche Äußerungen zu den Themen Schauspielerei und Fotografie eingegangen werden.
Die Werke Morimuras finden oft Erwähnung in Kunstmagazinen, zusammen mit Mariko Mori (森万里子) und Nobuyoshi Araki (荒木経惟) wird er im Zusammenhang mit zeitgenössischer japanischer Kunst häufig genannt. Dabei fehlen gerade bei europäischen Publikationen Bildbeschreibungen und –analysen, in vielen Fällen beschränken sich die Artikel auf die Erwähnung seiner Arbeiten, deren Vorbilder sowie von Ausstellungsterminen. Die Texte sind plakativ und gehen selten über die Nennung einer oder mehrerer dieser drei Künstler als „Symbole eines postmodernen Japans“ hinaus. Monographien sind nicht sehr zahlreich, und viele asiatische Publikationen sind für den westlichen Leser schwer erhältlich und sprachlich nicht zugänglich, da keine Übersetzungen vorliegen. Was bezüglich der Literatur zu der Serie Daughter of Art History festgestellt wurde, gilt ebenso für Morimuras Serie Actress, bei der er ähnlich wie bei den Fotografien von Daughter of Art History vorgeht, als Grundlage aber von ihm inszenierte, dem Betrachter scheinbar bekannte Film-Stills anstelle der westlichen Kunstwerke verwendet. Das Ergebnis erscheint bei beiden Serien zuerst einmal respektlos und höhnisch gegenüber dem Original und der damit verbundenen Kultur, aber tatsächlich ist diese freche Maskerade des japanischen Künstlers sehr viel komplexer. Morimura tritt auf wie der Erzähler im Theater bei einem Still, in einem direkten Kontakt mit dem Betrachter. So bringt er einige kritische Diskurse ins Spiel: die postmoderne kulturelle Hybridität, Fragen zu Identität und Differenzierung, und einen ganzen Katalog damit verbundener, oft wertender Dualismen wie die Zuordnung eines Geschlechts (Mann/Frau), der geographischen Verortung (Ost/West) , der Frage nach dem künstlerischen Medium (Malerei/Fotografie), der Originalität bzw. Austauschbarkeit von Kunstwerken (Original/Fälschung oder Kopie). Dies alles wird kaum erwähnt in den meist nicht kunstgeschichtlich orientierten Aufsätzen zu Morimura und seinen Werken. Die wenigen etwas tiefer gehenden Arbeiten sollen hier nicht ausführlich besprochen werden, da Fritsch eine gute Übersicht bietet.
In der Einleitung dieser Arbeit wird Morimuras Serie Daughter of Art History kurz und in einem größeren Zusammenhang der zeitgenössischen japanischen Kultur, vor dem Hintergrund des gender-crossing in der japanischen Kunst sowie der Identitätsfrage von Kunst selbst auf einem internationalen, globalisierten und dennoch stark westlich geprägten Markt eingeordnet. Der vierteilige Hauptpart beschreibt und analysiert einige wenige Arbeiten, die Bestandteil der Serie Daughter of Art History sind. Dabei wird der Horizont der Betrachtung etwas geweitet und Zitate von anderen Kunstwerken durch andere Künstler sollen angesprochen werden. In diesem Sinne wird versucht, dem Phänomen „Parodien“ in der Kunstgeschichte Rechnung zu tragen, auch wenn dies (wie an gegebener Stelle nachgewiesen werden wird) keineswegs homogen oder simpel parodierend ist. Es geht in dieser Arbeit hauptsächlich darum, mit Hilfe von ausführlichen Bildbeschreibungen, Analysen und Vergleichen darzulegen, wie tiefgreifend die von Morimura aufgeworfenen Diskussionen um die fotografischen Selbstporträts sein können und dass diese Diskussionen tatsächlich in den Werken bereits angelegt sind.
Zuerst sollen Morimuras drei Versionen der Mona Lisa da Vincis (Mona Lisa in Its Origin, Mona Lisa in Its Pregnancy und Mona Lisa in the Third Place) in der langen Reihe der Mona Lisa-Parodien des 20. Jahrhunderts verortet werden. Auch Gedanken zu anderen Arbeiten da Vincis sind in den Fotografien erkennbar. Im Anschluss daran soll es um van Goghs Sonnenblumen gehen, wobei sich Morimura nicht nur mit einem konkreten Sonnenblumenbild van Goghs beschäftigt, sondern die Vielzahl zitiert. Mit van Gogh ist ein Bogen zum Japonismus in der westeuropäischen Kunst geschlagen, nachvollziehbar am Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife . Der Einfluss japanischer Holzschnitte ist nicht zu übersehen, und mit der Farbgebung sowie der anderen Auffassung von Raum und Licht in der japanischen Druckgraphik kamen wichtige Anregungen in die europäische Kunst – die nun den Weg zurück nach Japan fanden, in den Fotografien Morimuras. Japans künstlerische Produktion hat sich in der Zwischenzeit stark gewandelt, und man muss sich angesichts der frühen Unterscheidung von nihon-ga (日本画) und yô-ga (洋画) fragen, inwiefern diese für Europäer so eindeutig fremden Einflüsse des ukiyo-e (浮世絵) im Werk van Goghs und anderer europäischer Künstler in Japan als „japanisch“ angesehen werden, oder ob sie im Rahmen der insgesamt europäischen Werke als ein Aspekt der (europäischen) Malerei angesehen wurden und werden. Das dritte Kapitel des Hauptteils beschäftigt sich mit Duchamps Alter Ego Rrose Sélavy und dem Porträt, das Man Ray um 1920 von Duchamp in der Verkleidung als junge Frau machte. Diese Darstellung ist ein sehr frühes Beispiel von gender-crossing bzw. cross-dressing in der Fotografie und wurde von Morimura in Doublenage aufgegriffen. Ein weiteres Kapitel wird der Reihe An Inner Dialogue with Frida Kahlo gewidmet sein, einer größeren Gruppe von Arbeiten, die sich mit den Selbstporträts Frida Kahlos beschäftigen. Diese noch relativ junge Kunst ist von Morimura bereitwillig in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen worden, und die schiere Menge der Fotografien nach Werken der Kahlo ist verblüffend, vergleicht man sie mit der Anzahl von Arbeiten, die sich mit jeweils einem anderen Künstler beschäftigen.
Im Anschluss an die eigentliche Untersuchung finden sich ein Textanhang mit einer Kurzbiographie Morimuras, erläuternden Informationen zu zuvor angeschnittenen Themen, und ein Abbildungsteil. Andere Werke und Serien Morimuras wie die bereits erwähnte mit dem Titel Actress sollen nicht Gegenstand dieser Arbeit sein, ebenso wenig braucht hier auf Morimuras vielfältige schriftliche Äußerungen zu den Themen Schauspielerei und Fotografie eingegangen werden.
Abonnieren
Posts (Atom)